#9: 1. Mai - Tag der Arbeit oder der Finaleinzug des Real Madrids

Der 1. Mai – ein Tag, der in weiten Teilen der Welt seit Jahrzehnten mit viel Pathos, Konflikten und Kämpfen aufgeladen ist. Ein Tag, der für die Errungenschaften der Arbeiter*innen sowie für die noch auszufechtenden Veränderungen steht. Die 8-Stunden-Woche, das Streikrecht, der Arbeitsschutz und der bezahlte Urlaub sind Normalität geworden. Heute gilt es mit neuen Konzepten der Digitalisierung ins Auge zu schauen, 4-Stunden-Tage oder Grundeinkommen sind im Gespräch. Doch neben den Demonstrationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, linken und rechten Gruppierungen und so harmonisch übereinstimmenden Aktionen wie „Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg“ in der Berliner Villengegend Grunewald oder „Gegen linksradikale Gewalt gegen Polizisten“ der CDU in Kreuzberg, steht immer mehr das Feiern im Vordergrund, gerade um die aufgeheizte Stimmung zu entladen. Das MyFest und das neue MaiGörli in Berlin sind die gängigsten Beispiele. 

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#8: Reisen auf verschiedenen Wegen

Der Rucksack war gepackt, rasch tütete ich noch das frittierte Hühnchen, die selbstgemachten Kartoffelpommes und reichlich Gemüse für die Fahrt ein und schon schlossen sich die Gurte mit einem leisen Klicken um meine Hüfte. Ich stand in Flip-Flops, kurzer Hose und mit Kappe in der prallen Sonne an der Sandstraße. Die Sonnencreme war in einer Seitentasche verstaut, auch das Handtuch hatte ich noch nicht vergessen. Es hätte ein Tagesausflug zum Atlantik oder zu den umliegenden Wasserfällen sein können, es war der Beginn einer zweiwöchigen Reise.

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#7: Was bisher geschah - die Projektstelle

Die Zeit vergeht schnell. Heute bleibt mir wieder ein Tag weniger in Togo. Und es ist schon Nachmittag. Fast Abend.  Ich habe mich dazu entschieden es als ein gutes Zeichen zu werten und ich glaube, dass dieser Zeitschwund unter anderem an dem Alltag liegt, der sich eingefunden hat. Wenn ich von einem Alltag schreiben kann, so bin ich endgültig im Land, in der Familie und vor allem in der Arbeit angekommen und kann so die restlichen Monate in Togo verbringen. Es ist vielleicht nicht mehr alles so aufregend wie am Anfang, doch eine gewisse Ruhe und Souveränität im Leben ist auch angenehm.

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#6: Entstauben

„Le souffle de l’Harmattan“ ist ein wie ich finde sehr schöner Roman des Quebecer Autors Sylvain Trudel. In dem Roman geht es um zwei ungefähr 11-Jährige adoptierte Jungen, die auf der Flucht vor der bierernsten Erwachsenenwelt die Suche nach ihrem wahren Ich aufnehmen. Habéké, der mit 4 Jahren in Westafrika seine Familie durch eine Hungersnot verliert und Hugues, der im Québec mit 6 Monaten von seiner Mutter verlassen wird, machen sich daher auf den Weg zu einem Ort, den sie das Land des Exils nennen.

 

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#5: Der Konzern "Ehre sei Gott"

Radiowellen transportieren in Amplituden und Frequenzen viele Informationen über weite Strecken. Ob es kurz nach ihrer Entdeckung für Dienstleister und Militär Nachrichten waren oder ob es heutzutage vielmehr für Radiosender Musik oder eben die Diskussion einer Expertenrunde an einem schönen Samstagmorgen in Togo ist, so kommt Unterschiedliches an den Empfangsgeräten an. Seitdem diese Woche zeitweise die Frequenz geändert wurde und das Radio Vatikan Abteilung „Frankreich und Afrika“ das togolesische Radio Évangelique abgelöst hat ist bei mir vor allem eines angekommen: die christliche Religion zieht sich durch den gesamten Alltag eines großen Teiles Kpalimés. Oder dreht sich der Alltag eher um die Religion? Ich bin mir nicht sicher.

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#4: Das Radiogerät eines schönen Samstagvormittags in Togo

In das Wochenende wird zuhause in Deutschland traditionell mit einem Verbot gestartet. Der Samstagvormittag ist bei uns eine der wenigen Sperrzeiten für jegliches Radiogerät. Ob beim wöchentlichen Großeinkauf im Auto, beim Aufräumen im Zimmer oder am Frühstückstisch. Sobald soeben die möglichen Gründe für das Verkommen der Kapländischen Zimmerlinde von Frau Müller erörtert wurden und ich eigentlich noch wissen will wie oft Herr Krüger nun sein Bromeliengewächse gießen soll, damit aus den zarten Blüten noch eine prächtige Pflanze erwachsen wird – Samstagvormittag bedeutet nämlich Experten*innenrunde von zehn bis eins bei unserem Stammsender – bekomme ich auch schon den Befehl mütterlicherseits sofort jene schlauen Stimmen verstummen zu lassen. Wenn es nur nach meiner Mutter gehen würde, würde auch der Nachmittag unter dieses ungeschriebene Gesetz fallen. Denn dann ist Bundesligakonferenz.

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#3: Irgendwo unter Millionen: Lomé, Hauptstadt Togos

Alle Köpfe wackeln hin und her, ausklappbare Sitze werfen ihre Nutzer_innen in die Luft, Palmenblätter streifen nicht aufmerksamen Personen durchs Gesicht. Der Busfahrer nutzt eine der wenigen Verkehrslücken, beschleunigt und fädelt sich in den Verkehr ein.

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#2: Togo-togo

Das „Togo-togo“ beim Anstoßen stammt von einem chinareisenden Togolesen. Zu Gast bei einem Chinesen übergab dieser dem Reisenden ein Getränk mit den Worten „Quin-Quin“ (gesprochen „Tschin-tschin“, welche als Einladung zum Trinken übersetzt werden können. Dieser verstand jedoch „Chine-Chine“ also „China-China“ auf Französisch und entgegnete folglich „Togo-togo“.

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#1: Ankommen

Es ist Samstagmorgen und schon macht ein Glas Sodabi die Runde. Jede_r Freiwillige ruft ein „Togo-togo“, setzt das Glas an, nippt oder nimmt gar einen ganzen Schluck dieses glasklaren Getränks, füllt das Glas wieder auf und reicht es weiter. Gesichter verziehen sich: Sodabi - auch Togogin genannt - ist ein aus Palmenwein destillierter Schnaps und nein, Sodabi ersetzt nicht den morgendlichen Tee oder Kaffee. Togogin wird zu bestimmten Anlässen getrunken und dieser ist ein ganz Besonderer. Der Gin stammt aus dem hauseigenen Garten des Astovot-Präsidenten, welcher ihn auch an diesem Morgen mitgebracht hat.


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