#1: Ankommen

Es ist Samstagmorgen und schon macht ein Glas Sodabi die Runde. Jede_r Freiwillige ruft ein „Togo-togo“, setzt das Glas an, nippt oder nimmt gar einen ganzen Schluck dieses glasklaren Getränks, füllt das Glas wieder auf und reicht es weiter. Gesichter verziehen sich: Sodabi - auch Togogin genannt - ist ein aus Palmenwein destillierter Schnaps und nein, Sodabi ersetzt nicht den morgendlichen Tee oder Kaffee. Togogin wird zu bestimmten Anlässen getrunken und dieser ist ein ganz Besonderer. Der Gin stammt aus dem hauseigenen Garten des Astovot-Präsidenten, welcher ihn auch an diesem Morgen mitgebracht hat.


Es ist der sechste Tag in Togo und der Präsident möchte uns persönlich begrüßen.


Da er den Gin mitgebracht hat, muss er durch Probieren seine Genießbarkeit beweisen. Anschließend hält er eine Ansprache, in der er uns in der Astovot-Familie Willkommen heißt. Wir sind nun Brüder und Schwestern, eine richtige Familie, in der wir uns gegenseitig helfen und ein erfolgreiches Jahr zusammen verbringen sollen. Er betont, dass er als Präsident der erste Helfer, und Zitat: „Diener“, bei Astovot sei, dass er sich persönlich um jeden und jede kümmere. Er holt einer stehenden Freiwilligen einen Stuhl. Einem anderen Freiwilligen holt er in diesen bereits warmen Morgenstunden einen Wasserbeutel. Der Togogin brennt beträchtlich in der Kehle – und doch fühle ich mich sehr wohl nach so einer herzlichen Ansprache. In den letzten Tagen sind viele Eindrücke auf mich eingeprasselt.

 

Am Sonntag um 4:30h in der Früh bin ich noch Zuhause: wenige Stunden und zwei volle Air France-Maschinen später bereits im Landeanflug von Niamey. Der Flug über die Sahara ist beeindruckend, auch wenn mehr Wolken als gedacht die Sicht aus 36.000 Fuß auf die größte Wüste der Welt behindern. Umso mehr wir uns der Hauptstadt Nigers für einen Zwischenstopp nähern desto mehr kann ich jedoch sehen. Ich erkenne dunkle Verfärbungen im Sand, welche wahrscheinlich von Wasserläufen stammen. Ich sehe eine sich verdichtende grüne Bewachsung in     dieser scheinbar toten Gegend: wir befinden uns in der ausklingenden Regenzeit. Ein Soldat bewacht, ein Maschinengewehr im Anschlag, die rechte Tragfläche. Zwei Militärdüsenjets starten. Wir befinden uns in dem Land, mit dem Macron und Merkel vor kurzem beschlossen haben Flüchtende mit Mauern, Stacheldraht und noch mehr Militär aufzuhalten. Ein Schutzwall, tausende Kilometer vor der europäischen Grenze.

 

Lomé Gnassingbé Eyadéma International Airport: eineinhalb Stunden später sind wir an einem im Vergleich zu Niamey sehr modernen Flughafen gelandet, haben die Passkontrolle nach einem Foto, einem Fingerabdruck oder einer Telefonnummer (je nachdem welcher Beamter uns überprüft) passiert und sitzen zu sechszehnt in einem Bus, in dem in Deutschland vielleicht 12 Personen zugelassen wären. Wir empfinden das bereits als eng, doch noch wissen wir nicht was auf uns zukommen wird. Am nächsten Tag befinden sich in dem gleichen Bus 23 Personen. Reihen in denen 3 Personen eng sitzen, können irgendwie auch 7 Personen beherbergen – und da wissen wir auch noch nichts von den 2,5 Stunden, die wir mit jenem Bus brauchen werden, um eine Woche später nach Kpalimé (hauptsächlicher Einsatzort neben Lomé und die Zentrale Astovots) zu kommen.

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Comments: 3
  • #1

    kaschmi (Thursday, 28 September 2017 17:58)

    Wer oder was ist Astodot?

  • #2

    Joshua (Friday, 29 September 2017 13:17)

    Association togolaise des volontaires au travail - die Partnerorganisation in Togo. Mehr dazu unter www.joshuasoktogon.info/deutsch/oktogon/der-weltw%C3%A4rts-dienst/

  • #3

    kaschmi (Friday, 29 September 2017 14:20)

    Danke :-)